Projektziel

Projektziele des Sonderforschungsbereich Transregio 240

In den vergangenen Jahren wurden auf dem Gebiet der Thrombozytenbiologie sowohl in der Grundlagen- als auch in der translationalen und klinischen Forschung beachtliche Fortschritte erzielt. Die so gewonnenen neuen Erkenntnisse haben vor allem bei der Behandlung von kardio- und zerebrovaskulären Erkrankungen deutliche Verbesserungen ermöglicht, was sich in einer Verminderung der Morbiditäts- und Mortalitätsrate widerspiegelt. Ein nach wie vor bestehendes Problem ist jedoch, dass das Blutungsrisiko bei Patienten durch viele der heute standardmäßig eingesetzten Medikamente erhöht ist. Darüber hinaus haben jüngere Studien gezeigt, dass Throm­bozyten bislang weitgehend unbekannte und unbeschriebene Funktionen unter (patho-)physio­logischen Bedingungen inne­haben, die weit über die „klassischen“ Vorgänge der Blutstillung und Thrombus­bildung hinaus­gehen. Solche neuartigen Interak­ti­onen wurden unter anderem bei den Prozessen der Thrombo-Inflammation, der angeborenen Immunität, bei zellulären Abwehr­mecha­nis­men sowie bei der Aufrechterhaltung der Gefäß- und Organintegrität, bei der Gewebere­genera­tion und bei proliferativen Krankheiten beobach­tet.

Die zu Grunde liegenden molekularen Mechanis­men und die potentielle therapeutische Relevanz dieser Prozesse sind jedoch nur bruchstückhaft verstanden. Wir gehen davon aus, dass weiterführende Untersuchungen zu diesen neuen Throm­bo­zyten­funk­tionen gänz­lich neu­artige Behandlungskonzepte für eine ganze Reihe von Erkrank­ungen ermöglichen wer­den, die bisher nicht im Zusammenhang mit Thrombozyten gesehen wur­den.

Dieses ambi­ti­onierte Ziel ist aus unserer Sicht nur in einem interdisziplinären Forschungs­ver­bund erreich­bar, der Mausgene­tik, in vivo Krankheitsmodelle, hochauflösende Mikroskopie und in vivo Bild­gebungsverfahren, Systembiologie/Omics, translationale Ansätze und klinische For­schung­s­­­­exper­tise miteinander ver­bin­det. Um dieser Herausforderung zu begegnen, baut der geplante SFB/TR 240 auf zwei bis Ende 2017 DFG-geförderte Forschungsverbünde mit Thrombo­zyten­schwerpunkt (SFB 688, KFO 274) auf, deren Expertise durch zusätzliche Partner mit lang­jähri­­gem Forschungsengagement auf dem Feld der Thrombozyten- und Megaka­ryo­zyten­biologie und der thrombotischen/thrombo-inflammatorischen Erkrankungen komplemen­tiert wird.

Dieses einzigartige Netzwerk von Experten in der Grundlagen-orientierten, translationa­len und kli­ni­schen Thrombo­zyten­forschung wird sich auf die folgenden komplementären Forschungsge­biete konzen­trieren: (A) Zellbiologie der Megakaryozyten und Thrombozyten mit dem Ziel eines verbes­ser­ten Verständ­nisses der grundlegenden Funktionen beider Zelltypen und (B) Thrombo­zy­ten als Modula­toren und Effektoren bei Erkrankungen. Wir werden einen umfassenden Ansatz verfolgen, der sich von in vitro Systemen über Tiermodelle bis hin zur klinischen Forschung mit Biobanken und großen, prospektiven Patientenkohorten erstreckt.